Petia Rousseva

Just another WordPress site

Аus der Presse

Hannoversche Allgemeine

Alles Tango

von Michael Krowas

Petia Rousseva und Joaquín Alem im Lohengrin

Man wandert an Karla, Kiwi und Kreipe vorbei und kommt alphabetisch korrekt ins Café Lohengrin. Da, wo man sonst Croissants in Milchkaffees tunkt, steht eine Geigerin und schaut lächelnd auf ihren sitzenden Partner hinab. Der sieht ein wenig aus wie eine Mischung aus Feivel, dem Mauswanderer, und Freddie Mercury und hält sein Bandoneon wie ein Perkussionsinstrument. Petia Rousseva und Joaquín Alem, die Bulgarin als Mitglied des Oldenburger Staatsorchesters, der Argentinier als Klavierprofessor in Buenos Aires, haben sich dem Tango verschrieben. Der Großmeister des Genres, Astor Piazzolla, hat die südamerikanische Musik längst mitteleuropatauglich gemacht, zu hören ist er im Lohengrin nicht, zu ahnen jedoch sehr. Auch wenn beim ersten Konzert des Duos fast nur Eigenkompositionen erklingen. Beim ersten Stück legt Alem die Stirn in Falten, Roussevas Blick geht in die Ferne und ist ebenso schmerzerfüllt wie der des Mannes am Klavier. Das zweite Stück ist das genaue Gegenteil: Plötzlich spürt man Frohsinn und Lebensfreude auf der Bühne, ein Coldplay-Intro geht in irische Töne über, wird zu Cajun, zu Zigeunerjazz, zu Weltmusik. Das Bandoneon klingt wie ein Karneval, Roussevas Geige wie zehn Geigen. „Ich spreche kein Deutsch“, sagt Alem auf Deutsch und erklärt umständlich auf Englisch seine Komposition „Essencia“. Rousseva lächelt und hilft: „Die Glissandi, die ich gleich spiele, klingen wie Tränen“, sagt sie. Sie spielen, und die Glissandi klingen wie Tränen. Dann das einzige Fremdstück, eine mitreißende Coverversion von „Smooth Criminal’“ – auch Jackson kann Tango sein. Alem lässt sein Bandoneon krachen und flehen, lustvoll stöhnt er sich im Stile eines Keith Jarrett durch die leisen Passagen eines Stücks namens „Paranoid“, immer kongenial unterstützt von der singenden Geige seiner Partnerin. Die auch im richtigen Leben seine Partnerin ist. Wenn zwei Musiker so intensiv Gefühle ausdrücken, muss das wohl so sein.

 

Nordwest Zeitung

Familientreffen der Bach-Söhne musikalischer Genuss

von Annkatrin Babbe

Musik von Wilhelm Friedemann, Johann Christian und Carl Philipp Emanuel im Kleinen Haus

OLDENBURG Ein Familientreffen der besonderen Art konnten die Besucher des Kammerkonzertes im Kleinen Haus erleben. Anwesend waren drei Söhne Johann Sebastian Bachs: Wilhelm Friedemann, Johann Christian und Carl Philipp Emanuel, nebst des Taufpaten des Letzteren – Georg Philipp Telemann.

In einer solchen Gästeliste prallen musikalische Welten aufeinander, etwa zwischen Wilhelm Friedemann Bach und seinen jüngeren Brüdern: Hier stehen mitunter die Tendenz zu strengeren Formmodellen und melodischer Klarheit dem Ausdruck maximaler Individualität, Originalität und Experimentierfreude gegenüber.

In die Gegenwart dieser verschiedenen Charaktere verliehen neun Musiker, die zum großen Teil dem Staatsorchester angehören, auf nachgebauten historischen Instrumenten den Kompositionen des 18. Jahrhunderts eine besondere Authentizität: Polina Gorshkova, Andreas Mäder (beide Traversflöte), Frank Goralczyk, Seo Wan Choi (beide Barockvioline), Petia Rousseva, Nikolas Sahler (beide Barockviola), Gerke Carla Jürgens (Barockvioloncello), Jochen Zillessen (Barockkontrabass) und Thomas Bönisch (Cembalo).

Einen festlichen Einstieg bot Telemanns Ouvertüre e-Moll aus der 1733 veröffentlichten Tafelmusik. In der anschließenden Triosonate D-Dur von Wilhelm Friedemann Bach kamen die beiden Traversflöten voll zur Geltung.

Sehr schön interpretiert war auch Telemanns Concerto für Viola, Streicher und Basso continuo G-Dur. Der Solistin Petia Rousseva, der die Spielfreude bis in die Fußspitzen anzumerken war, flogen alle Sympathien des Publikums zu. Ihren Höhepunkt erreichte die fast überschäumende Vitalität (auch bei den Mitspielern) im Presto mit dem tänzerischen Gestus.

In Carl Philip Emanuel Bachs Quartett G-Dur gelang besonders der letzte Satz. Impulsiv und virtuos war der Vortrag, ohne jemals gehetzt zu klingen.

Vom Publikum begeistert aufgenommen wurde auch das Quartett A-Dur von Johann Christian Bach, das erfrischend daherkam.

In der Sinfonia d-Moll für zwei Flöten, Streicher und Basso continuo von Wilhelm Friedemann Bach zeigte sich, dass die verschiedenen musikalischen Ausdruckswelten nebeneinander bestehen können. Im einleitenden Adagio erhoben sich die Flöten mit ihren wunderbar belebten Tönen über die zarten Streicherklänge. Technisch souverän musizierten die Beteiligten die Fuge rhythmisch pointiert und mit präziser Phrasierung.

Das Publikum spendete stürmischen Beifall samt Bravo-Rufen und entließ die Musiker nicht ohne eine Zugabe.